Operette 9 Allstromsuper

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Erstellt am 17 Sep 2023 | zuletzt bearbeitet vor 8 Monaten von Steffen

Das Operette 9 Allstromsuper von Telefunken ist ein Empfänger aus den Jahren 1958/59. Es empfängt auf LW, MW, KW und UKW.

Das Modell ist scheinbar vom Wechselstrom-Modell abgeleitet. Leider finde ich weder eine Dokumentation noch einen Schaltplan zu diesem Typ.

  • Hersteller: Telefunken
  • Typ: Operette 9 Allstromsuper
  • Baujahr: 1958/59
  • Empfangsprinzip: Superhet
  • Wellenbereiche: LW, MW, KW, UKW
  • Spannungsarten: Wechselspannung, Gleichspannung
  • Zustand Gehäuse: befriedigend
  • Zustand Technik: ungeprüft
  • Herkunft: Reparaturauftrag
  • Datum: 09/2023
  • Kosten: gering (neue Kondensatoren)

https://www.radiomuseum.org/

https://radio-bastler.de/forum/

Inhaltsverzeichnis

Zustand bei Erhalt des Operette 9 Allstromsuper

Das Radio dient schon seit langem als Dekoration und soll nun wieder betriebsbereit gemacht werden.

Die Besonderheit ist der Umbau auf Allstrom. Auf der Rückwand und in der Bedienungsanleitung wurden dazu Veränderungen (werksseitig) vorgenommen.

Das Innenleben sieht so aus, wie es eben bei derart alten Schätzchen aussieht:

Der Zustand des Gehäuses ist befriedigend. Es gibt ein paar abgestoßene Ecken sowie Brandflecke auf der Oberseite.

Instandsetzung des Operette 9 Allstromsuper

Heizkreis

Den Serienheizkreis habe ich umgebaut. Statt Widerständen und NTC ist jetzt ein Kondensator eingebaut. Damit einher geht sogar eine Energieersparnis, weil keine Leistung an Widerständen “verbrannt” wird.

https://radio-bastler.de/forum/showthread.php?tid=19205&pid=225738

Der Heizkreis vorher und nachher:

Der alte Heizkreis ist keinesfalls original, da hat ein Vorbesitzer „gebastelt“. Die beiden Skalenlampen haben normalerweise jeweils einen NTC parallel geschaltet. Das ist auch kein Fehler meinerseits beim Aufnehmen des Stromkreises, ich habe echt zweimal geprüft 💪.

Noch eine Anmerkung: Die Skalenlampen haben eine Nennspannung von 18 V (bei 0,1 A Stromstärke).

Warum verwende ich einen Kondensator?

Es gilt, zwei Probleme zu lösen:

  • Die Summe aus Heizspannungen und Nennspannungen der beiden Skalenlämpchen beträgt 186 V. Die Netzspannung liegt bei ca. 235 V (offiziell sind es 230 V). Es sind demzufolge 49 V zu „vernichten“.
  • Bei kalten Heizfäden ist der Heizstrom deutlich höher als 0,1 A.

Wie hat man diese Probleme im Original gelöst?

  • Die überschüssige Spannung wurde an mehreren Widerständen in Wärme umgewandelt.
  • Im Heizkreis befanden sich zusätzliche Heißleiter (NTC = engl.: Negative Temperature Coefficient Thermistor). Im kalten Zustand haben diese Bauteile einen hohen Widerstand, der sich mit zunehmender Temperatur verringert. Damit lässt sich die Einschaltstromstärke begrenzen.

Wie habe ich diese Probleme gelöst?

  • Der Kondensator ist so dimensioniert, dass durch sein ständiges Umladen die überschüssige Spannung „verbraten“ wird. Ich nutze hier den kapazitiven Blindwiderstand des Kondensators.
  • Durch das ständige Umladen gibt es eine Phasenverschiebung, wodurch die Heizstromstärke im kalten Zustand der Röhren nur minimal höher ist.

Den Kondensator habe ich auf eine Netzspannung von 235 V dimensioniert. Allerdings muss ich ihn noch gegen einen selbstheilenden (MP oder MK) austauschen:

https://www.elektroniktutor.de/bauteilkunde/c_bauf.html

Der anschließende Probebetrieb verlief erfolgreich.

Anodenspannung

Das Radio war bereits einmal in den Händen eines Bastlers. Der originale Selengleichrichter war abgetrennt und durch eine Diode ersetzt (die leider ebenfalls defekt war). Der originale Doppelelko war ebenfalls nicht mehr eingebaut.

Ich habe sowohl die Diode (samt Vorwiderstand) als auch die Elkos erneuert.

Defekte Kondensatoren

Wie in vielen Radios dieser Baujahre war hier einiges zu tauschen.

Der anschließende Funktionstest verlief geradezu tadellos.

ACHTUNG Sicherheitshinweis:

Operette 9 Allstromsuper

Bei Allstromradios ist eine Seite der Netzzuleitung in der Regel mit dem Chassis verbunden. Ist dies zufällig (50 % Wahrscheinlichkeit) die stromführende Leitung (L), ist das Berühren des Gehäuses u. U. lebensgefährlich.

Hinzu kommt, dass einige Anschlüsse (hier der des externen Lautsprechers) mit dem Chassis verbunden sind.

Aufgrund dieser Gefahrenquellen habe ich mich dazu entschlossen, die Anschlüsse an der Rückseite zu entfernen. Der Antennenanschluss musste wegen des Erdanschlusses (der mit dem Chassis verbunden ist) ebenfalls weichen. Statt dessen habe ich eine zweipolige Buchse für den UKW-Dipol eingebaut.

Gehäuse

Dir Reinigung und Aufbereitung des Gehäuses war deutlich weniger aufwändig als die Instandsetzung. Kleine „Zeichen der Jahrzehnte“ durften bleiben, so dass lediglich eine gründliche Reinigung des Korpus anstand. Die Drehknöpfe habe ich poliert.

Schaltplan

Zuerst werde ich versuchen, einen Schaltplan zu bekommen. Bei den mir bekannten Quellen war nichts zu finden.

Der Schaltplan des Emud kommt der Schaltung des Radios am nächsten:

https://www.radiomuseum.org/r/emud_rekord_3d.html

Folgende Spannungen messe ich nach der Instandsetzung:

BauteilSpannung (V)
Ladeelko278
Siebelko235
Anode UL84232
Kathode UL8419
Gitter 2 UL84234