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Erstellt am 26 Sep. 2025 | zuletzt bearbeitet vor 3 Wochen ago von Steffen
Der Sanyo DCX 3300KB ist ein 4-Kanal-Stereo-Receiver aus den Jahren 1974 bis 1977, der damals stolze 1400 DM gekostet hat.
https://www.hifi-wiki.de/index.php/Sanyo_DCX-3300
- Hersteller: Sanyo
- Typ: DCX 3300KB
- Baujahr: 1974-77
- Empfangsprinzip: Superhet
- Wellenbereiche: MW, UKW
- Spannungsarten: Wechselspannung
- Zustand Gehäuse: gut
- Zustand Technik: funktioniert, revisionsbedürftig
- Herkunft: Reparaturauftrag
- Datum: 09/2025
- Kosten: keine
Inhaltsverzeichnis
Zustand bei Erhalt














Folgendes habe ich festgestellt:
- insgesamt guter, sauberer Zustand
- grundsätzliche Funktion ist gegeben
- Elkos sind weitgehend außerhalb der Toleranz
- Glühlämpchen der Pegelanzeige (3 von 4) sind defekt


Ich habe einen Signalgenerator an AUX angeschlossen, das Ergebnis ist zufriedenstellend:


Instandsetzung
Bestellung Bauteile
Zunächst habe ich die Glühlämpchen nachbestellt und eine Liste der benötigten Kondensatoren erstellt.
Update: Aktualisiert anhand der tatsächlich getauschten Kondensatoren
| µF | Bemerkung | V | Anzahl | Einzelpreis | Gesamtpreis |
|---|---|---|---|---|---|
| 0,01 | X2 | 250 | 2 | 1,26 | 2,52 € |
| 0,1 | 10 | 1 | 0,30 € | 0,30 € | |
| 0,22 | 10 | 7 | 0,18 € | 1,26 € | |
| 0,47 | 50 | 18 | 0,43 € | 7,74 € | |
| 0,5 | Ersatz: 0,47 | 25 | 2 | 0,43 € | 0,86 € |
| 1 | 10 | 4 | 0,50 € | 2,00 € | |
| 1 | Tantal | 10 | 4 | 0,50 € | 2,00 € |
| 1 | 25 | 29 | 0,50 € | 14,50 € | |
| 1 | 50 | 5 | 0,50 € | 2,50 € | |
| 1 | 63 | 4 | 0,50 € | 2,00 € | |
| 10 | 10 | 6 | 0,24 € | 1,44 € | |
| 33 | 10 | 5 | 0,11 € | 0,55 € | |
| 47 | 35 | 8 | 0,18 € | 1,44 € | |
| 100 | 10 | 2 | 0,16 € | 0,32 € | |
| 100 | 16 | 1 | 0,16 € | 0,16 € | |
| 100 | 35 | 8 | 0,21 € | 1,68 € | |
| 100 | 63 | 4 | 0,21 € | 0,84 € | |
| 330 | 35 | 1 | 0,70 € | 0,70 € | |
| 470 | 10 | 1 | 0,56 € | 0,56 € | |
| 470 | 35 | 6 | 1,29 € | 7,74 € | |
| 470 | 63 | 1 | 1,29 € | 1,29 € | |
| 1000 | 35 | 4 | 0,86 € | 3,44 € | |
| 2200 | nicht getauscht | 63 | 1 | 3,79 € | 0.00 € |
| Summe | 124 | 55,84 € |
Die Soffitten schlagen mit 13,95 € zu Buche.
Das Ganze wird ein paar Stunden dauern. Wichtig ist, ein antistatisches Armband zu tragen. Die Hybrid-Endstufen sind empfindlich, schwer zu beschaffen und sehr teuer.
Kondensatoren
Es gibt viel zu tun. Was ich nicht auf dem Schirm hatte, war, dass die Kondensatoren teilweise eingeklebt sind. Hinzu kommt, dass die meisten Anschlussbeine vor dem Löten abgeknickt wurden, was das Auslöten trotz elektrischer Entlötpistole sehr zeitintensiv macht.
Angefangen habe ich mit der Spannungsversorgung, danach kamen die Endstufen dran. Auf der Endstufenplatine war dann auch gleich noch eine kalte Lötstelle an einem der Tauschkandidaten.
Kalte Lötstelle? Ich dachte, beim Löten kann. man sich die Finger verbrennen? Das Attribut „kalt“ steht hier für eine schlechte Verbindung.

Das Ziel beim Löten ist, zwischen dem Beinchen des Bauteils, der Platine und dem Lötzinn eine innige Verbindung herzustellen.
Die Entstehung der kalten Lötstelle kann mehrere Ursachen haben:
- schlecht Löttechnik (s. Bild oben): Das Lötzinn konnte nicht gut verlaufen und sich an Bauteil und Platine anschmiegen. Ursachen könnten eine zu geringe Löttemperatur sein oder dass nicht beide Teile (Lötöse und Anschlussbeinchen) die notwendige Temperatur hatten.
- Korrosion durch Alterung: Durch schlechte Bedingungen (z. B. Feuchtigkeit) können die metallischen Teile korrodieren. Zieht die Korrosion in die Lötstelle, dann kann sie sich teilweise lösen.
- mechanische Beanspruchung: Anschlussbuchsen, die auf die Platine gelötet sind, sind einer mechanischen Beanspruchung ausgesetzt, da immer wieder ein Stecker hineingesteckt wird. Das kann zum Brechen der Lötstellen führen.







Die Ausbeute zeigt nur etwa die Hälfte dessen, was getauscht werden muss. Ich habe übrigens einige der ausgebauten Kondensatoren geprüft, die Toleranz war bei fast allen weit überschritten, teilweise hatte sich die Kapazität fast verdoppelt.
Lediglich der große 2200-µF-Ladeelko in der Spannungsversorgung hat mit 2 500 µF einen guten Wert (14 % Abweichung).
Rubycon ist ein japanischer Hersteller, der auch heute noch existiert und qualitativ hochwertige Kondensatoren herstellt. Warum diese hier derart gealtert sind, kann ich nicht sagen. Allein das Alter von mittlerweile 50 Jahren ist ein Kriterium.
Ursprünglich wollte ich das Bord zur Ansteuerung der Level-Meter zum Zwecke der Überarbeitung ausbauen. Daher musste ich die Verkabelung dokumentieren.




Vermutlich werde ich um den Ausbau nicht herumkommen, da die Potentiometer gereinigt werden müssen. Dann ist das eben so…
Beleuchtung
Sowohl die Skalen- und Instrumentenbeleuchtung als auch das Stereo-Lämpchen mussten gewechselt werden. Bei der Beleuchtung der vier Instrumente links waren bereits zwei Lampen ausgefallen, das Stereo-Lämpchen ging ursprünglich noch, fiel aber dann doch aus (Erschütterung beim Ausbau?).







Die Stereo-Anzeige habe ich durch eine LED ersetzt. Vom Bord kommen 10 VDC, so dass ich lediglich einen passenden Vorwiderstand einbauen musste. Das defekte Gehäuse habe ich weggelassen und den Bereich mit weicher Fensterdichtung gegen Fremdlicht abgedichtet. Funktioniert tadellos. Alternativ könnte ich die Einhausung auch auf dem 3D-Drucker nachbauen. Mal sehen, vielleicht mache ich das noch.
Bilanz
Der Materialaufwand war mit 56 € für die Kondensatoren und 14 € für die Beleuchtung recht überschaubar. Demgegenüber ist der zeitliche Aufwand mit etwa 10 Stunden Arbeitszeit enorm.
Der durchschnittliche Preis lag 2025 laut hifishark bei 390 € bei Privatverkäufen.
Die Frage, ob sich die Reparatur lohnt, kann so jeder für sich beantworten, vor allem dann, wenn man es nicht selbst macht.