Restauration – Tipps

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Restauration – Tipps

Bezüglich der Tipps zur Restauration alter Röhrenradios habe ich bei radiosammlung.de „abgeschrieben“ und ein wenig umformuliert. Ich finde die Zusammenstellung sehr gut. Man muss das Rad nicht neu erfinden… Danke an Michael!

Restauration - radiosammlung.de

Ein wichtiger Hinweis vorab: Das Reparieren bzw. Restaurieren eines Röhrenradios ist hinsichtlich des technischen Teils nichts für Laien. Ein bisschen „Rumprobieren“ kann schnell lebensgefährlich werden, da neben der Netzspannung an einigen Teilen des Radios deutlich höhere Spannungen anliegen können.

Die folgenden Hinweise sind lediglich als Beschreibung bereits gemachter Erfahrungen zu verstehen. Keinesfalls ist es eine Reparaturanleitung!

Wer weitere Tipps oder Hilfe benötigt, kann sich gerne bei mir melden. Ich kann mir auf Anfrage auch Röhrengeräte ansehen und konkrete Tipps geben.

Innenleben #

Die Radios sollte man von innen entstauben, manche sitzen zentimeterdick voll. Am besten baut man das Chassis aus und geht damit nach draußen vor die Tür (sonst freut sich die Hausfrau…) um den Staub erst mal grob mit einem Pinsel abzufegen. Man kann auch Druckluft benutzen und das ganze vorsichtig abblasen, dabei muss man jedoch unbedingt aufpassen dass man den Staub NICHT in empfindliche Teile wie z.B. Potis, Kontakte usw. bläst. Zudem muss man schon  gut aufpassen, dass man nichts beschädigt. Noch besser ist die Pinsel-Staubsaug-Kombination, mit einem Saugpinsel kann man das ganze perfekt entstauben.

Mein „Königsweg“ ist das vorsichtige Entstauben mit verschiedenen Pinseln und dem Staubsauger auf niedriger Stufe.

Restauration des Gehäuses #

Fangen wir mal beim Holzgehäuse an. Grundsätzlich meine ich: Nicht sofort alles  neu lackieren, was nicht auf Anhieb gut aussieht. Denn meistens bekommt man es nicht wieder so original hin, wie es mal war. Ich empfehle da bei Polyesterlacken erst mal die Autopolitur. Meistens hilft das ganz ungemein. 
Ist jedoch Hopfen und Malz verloren, so muss man den alten Lack entfernen und danach neu auftragen.
Geht bei Holzgehäusen die Verleimung auseinander, so kann man dies mit Holzleim gut wieder zusammenfügen.
Schlimmer wird es, wenn Ausbrüche vorhanden sind. Hat man die herausgebrochenen Teile noch, so klebt man sie wieder ein. Sind sie jedoch verloren gegangen, so muss man mit Ersatzstücken arbeiten, indem man diese einklebt. Wenn das Holz später mit farbigem Lack lackiert wird, dann kann man auch modellieren, einfach Holzmehl mit Holzleim vermischen und kitten.

Ich habe bei der Restauration gute Erfahrungen mit Möbelpolitur gemacht. Manchmal musste ich mehrfach auftragen, weil sich die Oberfläche vollgesaugt hat. Es gibt aber auch Gehäuse, die ich abgebeizt oder abgeschliffen habe…

Restauration-Gehäuse

Sonderfall Bakelit #

Bakelit ist ein Pressstoff aus Harzen, Russ und Bindemittel. Unter Hitze wurde das Gemisch zu einem festen Stoff, hier zu Gehäusen gepresst. Die Gehäuse wurden nicht nachbearbeitet. Das bedeutet, sie kamen bereits mit 
Glanz aus dieser Form heraus. Wenn wir nun ein Gehäuse haben, welches den Glanz verloren hat, dann muss man ihn neu aufbringen. Hier muss man ausprobieren, denn es gibt einige verschiedene Bakelitarten, die mitunter völlig unterschiedlich auf Polituren, Wachse oder anderen Chemikalien reagieren können.
Ich empfehle für die Reinigung warmes Wasser mit Spülmittel, einige mutige Sammler stecken sehr stark verunreinigte Drehknöpfe und Gehäuse in die Spülmaschine. Hier wird alles porentief rein, aber ich persönlich bin da vorsichtig, zumindest würde ich ein Programm mit niedrigen Temperaturen wählen.
Bei matt gewordenem Bakelit poliere ich zuerst immer mit Autopolitur. Bei schwarzen Gehäusen hat sich die schwarz eingefärbte Politur bewährt, auch kann man es mit Autowachs probieren. Hilft das alles nichts, dann hilft meistens normales Haushaltsöl, welches in die Oberfläche einpoliert wird. Hier sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen, weil es eben zu viele Mittel für zu viele verschiedene Kunststoffe gibt.
Aber nach wie vor gilt: Immer erst an unauffälliger Stelle ausprobieren!!
Risse und herausgebrochene Stücke kann man prima wieder mit Sekundenkleber kleben, der hält wirklich gut.

Ich habe gute Erfahrungen mit Scheuermilch gemacht. Das finale Polieren funktioniert mit o. g. Möbelpolitur auch sehr gut.

Restauration-Bekelit

Restauration der Lautsprecherbespannung #

Diese sind oft voller Staub, Nikotin und ähnlichem Geschmiere. Bei Staub ist klar, was zu tun ist: Staubsaugen. Oft sieht der Stoff dann schon recht gut aus.
War der Vorbesitzer jedoch Raucher, dann sieht das etwas anders aus. Da muss man dann mit Wasser und Waschpulver ran. Leider sind die Stoffe allerdings oft angeleimt am Lautsprecherbrett. Dieses Lautsprecherbrett mag kein Wasser, denn da quillt es auf.
Da haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder vorsichtig lösen und nach der Handwäsche wieder festkleben, allerdings läuft der Stoff sehr gerne ein. Man kann auch  die Seitenränder des Brettes abkleben mit breitem Tesafilm und dann den Stoff mit Waschlauge einsprühen, kurz wirken lassen und dann abspülen. Das ganze muss schnell gehen, und man muss das Wasser dann auch sofort wieder mit Küchentüchern abtrocknen. Schlimmstenfalls muss man den Stoff auswechseln.

Meine Erfahrungen sind ebenfalls sehr verschieden. Selbst das Waschen in kaltem Wasser kann dazu führen, dass die Stoffe einlaufen oder an den Rändern weiter ausfransen. Wer es ganz professionell möchte, wendet sich an Corrien Maas (Ganz unten auf der Seite seht ihr meine Bella 2710 mit Corriens Stoff.).

Restauration-Stoff

Drehknöpfe #

Drehknöpfe reinige ich so: 1 Liter Wasser auf ca. 50 Grad erwärmen, ein viertel Spülmaschinentab hinzugeben und die Knöpfe 15 Minuten hineingeben. Danach sind sie wieder Tiptop. Jedoch ist auch hier Vorsicht geboten – Ich hatte auch schon mal Knöpfe aus Bakelit, welche sich bei dieser Prozedur auflösten.
Wer sich unsicher ist,  kann die Knöpfe aber auch mit Viss oder ähnlichen Reiniger und einer weichen Bürste von Hand saubermachen.

Jetzt bitte nicht lachen! Ich nehme Gebissreiniger. Klappt sehr gut und ist nicht so aggressiv wie Spülmaschinentabs.

Skalenscheiben #

Hier ist große Vorsicht geboten. Manche Aufdrucke lösen sich schon bei Berührung mit Wasser auf. Ich persönlich reinige die Rückseite nur trocken, mit einem weichen Pinsel.
Die Vorderseite kann man getrost mit Wasser putzen. Auch muss man aufpassen, wenn man die Skalenscheiben wieder einbaut – das muss nämlich ohne Spannungen geschehen. Darum: Immer schön vorsichtig, alte Schaumstoff-Einlagen, welche sich in Wohlgefallen aufgelöst haben, immer erneuern. Die Schrauben der Halterungen nicht zu fest anziehen.

Hier habe ich leider auch schon Lehrgeld zahlen müssen. Die Rückseiten müssen mit „Sie“ angesprochen werden.

Röhren #

Auch die Röhren sollte man reinigen, doch auch hier ist Vorsicht geboten, denn eine Röhre ohne Aufdruck ist nicht gerade fachmännisch. Viele Aufdrucke lösen sich bei Berührung mit Wasser auf, das gleiche gilt für silberne Abschirmlackierungen. Notfalls drum herum putzen.
Zudem sollte man die Röhren mit einem Prüfgerät durchchecken, um sicherzugehen dass sich keine verbrauchten Röhren unter ihnen tummeln.
Röhren mit Euro-Sockel oder Kunststoff-Steckfüßen sind normalerweise darin eingegossen oder geklebt. Gelegentlich wackelt der eigentliche Glaskörper jedoch darin. Dann macht man folgendes: Ein Helfer hält die Röhre leicht schräg mit beiden Händen fest, eine Hand am Oberteil und eine an den Anschlüssen. Sie wird in den Händen gedreht, und währenddessen lässt man Sekundenkleber zwischen Glaskörper und Stecksystem laufen. Einmal rum und kurze Zeit andrücken – schon sitzt sie wieder fest. Allerdings – und auch das sei hier erwähnt: Es ist schon Leuten passiert, dass solch geklebte Röhren geplatzt sind.

Falls es doch passiert, dass die Beschriftung „abhanden kommt“, sollte man eine neue Beschriftung z. B. mit Edding anbringen.

Fehlende Teile #

Fehlt an einem Gerät ein Teil, dann ist es oft schwer zu bekommen. 
Ich kann hier nur Ebay empfehlen, denn da gibt es auch eine hervorragende Suchfunktion. Taucht das gesuchte Teil in einer Auktion auf, so erhält man automatisch vom System eine Nachricht.
Sehr gute Erfahrungen habe ich auch gemacht in einschlägigen Foren, z.B. bei Jogis Röhrenbude. Wenn man da ein Gesuch hineinschreibt, dann hat man sehr gute Chancen, dass jemand das Gesuchte herumliegen hat. Ich habe dadurch sogar Freunde gewonnen, man half sich einfach gegenseitig. So bleibt man in Kontakt und tauscht Tipps und Ratschläge aus.
Kann man ein gesuchtes Teil trotz aller Versuche nirgendwo bekommen, so bleibt einem leider nichts anderes übrig, als es selbst herzustellen oder herstellen zu lassen.

Ebay ist generell eine gute Idee. Leider sind die Preise für Einzelteile manchmal extrem hoch. Ich habe mir teilweise ein zweites Exemplar des gleichen Radio-Modells gekauft und bin billiger weggekommen…

Stoffkabel #

Stoffkabel (Netzkabel) kann man sich einfach selbst herstellen. Man nimmt  einfach einen Baumwollschnürsenkel und ein Stück Kabel von passender Länge. Anschließend schneidet man die Einfädelenden des Schnürsenkels ab. Der Schnürsenkel sollte natürlich innen hohl gewebt sein, denn sonst kann man das Kabel nicht hineinschieben.
Nachdem das Kabel durchgezogen wurde, fixiert man die Enden mit Tesafilm und  fertig. Wenn man weiße Schnürsenkel hat, so kann man diese prima mit Holz-Wasserbeize einfärben, ich nehme dafür Nussbaum hell.

Stoffummantelte Kabel kann man auch gut bei den Amazonen kaufen. Es ist mit 3 € pro Meter recht teuer, aber dafür in sehr guter Qualität.

Restauration der Rückwände #

Oft sind Rückwände völlig verbogen und verzogen, besonders wenn Luftlöcher eingestanzt sind. Hier geht man bei der Restauration folgendermaßen vor:

  1. Rückwand mit Wasser besprühen bis sie weich wird. Danach etwas trocken tupfen.
  2. Zwischen 2 Folien und 2 Bretter legen und für einen Tag beschweren. (ab 50 kg)
  3. Die Rückwand zwischen weißem Papier und Zeitungen weiterhin pressen. Die Zeitungen muss man täglich wechseln, und mit jedem Tag werden sie trockener. Nach ca. 6 Tagen reicht es, wenn man die Zeitungen jeden 2. Tag wechselt. Wichtig dabei ist, dass die Rückwand nicht direkt mit den Zeitungen in Berührung kommt, darum benutzt man auch weiße Blätter. Ansonsten löst sich der Druck aus der Zeitung und die Rückwand ist versaut.
  4. Nach ca. 2 -3 Wochen – je nach Standort der “Presse” ist die Rückwand wieder wie neu.
  5. WICHTIG: Nicht vergessen die Zeitungen zu wechseln, ansonsten kann es schimmeln !

Bei mir landen die Rückwände nach dem Anfeuchten mit einer Sprühflasche unter einer dicken Schieferplatte. Das Trocknen dauert mehrere Tage. Bisher habe ich damit gute Erfahrungen gemacht.

Restauration der Elektronik #

Generell gilt bei der Restauration: Sicherheitshalber immer mit einem Trenntrafo arbeiten, besonders bei Allstrom – Geräten. Koppelkondensatoren an den Endröhren sollte man generell tauschen, sofern noch nicht geschehen. Das gleiche gilt für Kondensatoren die am Netztrafo an der Wechselspannung liegen.

Besonders ERO100 oder Frolyt (DDR) sind meist defekt. Die tausche ich immer im Zuge der Restauration. Bei den Elkos messe ich zunächst die Kapazität (vorher mindestens einseitig auslöten). Wer mutig ist ?, kann bei eingeschaltetem Radio die Kondensatoren auf Gleichspannung testen. Das Messgerät sollte nicht einmal zucken…

Ich muss besonders an dieser Stelle auf meine Hinweise und Warnungen verweisen. Wer keine Ahnung hat, was er da tut: FINGER WEG!!

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